Ratgeber
Das mündliche Auswahlverfahren beim Zoll
Die meiste Vorbereitungszeit fließt in den schriftlichen Teil, weil er sich gut üben lässt. Für das Ergebnis ist er der kleinere Teil. Der mündliche Teil geht mit 80 Prozent in das Gesamtergebnis ein, und er ist deutlich genauer geregelt, als es die Beschreibungen im Netz vermuten lassen.
Kurz gesagt
Der mündliche Teil besteht nach beiden Verordnungen aus bis zu vier Simulationsübungen und einem strukturierten Interview. Die Zollverwaltung nennt dafür Gruppenübung, Rollenspiel und Interview, im gehobenen Dienst zusätzlich einen Kurzvortrag. Dieser Teil trägt 80 Prozent des Gesamtergebnisses und entscheidet damit deutlich mehr als der schriftliche.
Zahlen zur Einordnung
- 80 Prozent So viel trägt der mündliche Teil zum Gesamtergebnis bei, in beiden Laufbahnen.
- bis zu 4 Übungen So viele Simulationsübungen lässt die Verordnung zu, dazu ein strukturiertes Interview.
- 8 Personen So viele Bewerbende darf eine Auswahlkommission höchstens an einem Tag prüfen.
Was die Verordnung über den mündlichen Teil festlegt
Der mündliche Teil ist kein frei gestaltetes Gespräch. § 17b Absatz 2 der MntZollDVDV und der gleichlautende § 19 Absatz 2 der GntZollDVDV legen fest, dass er aus bis zu vier Simulationsübungen und einem strukturierten Interview besteht. Strukturiert heißt, dass der Ablauf des Interviews vorher festgelegt ist und nicht vom Gesprächsverlauf abhängt. Zwei weitere Regeln sind für die Vorstellung vom Tag hilfreich. Nach § 17b Absatz 3 der MntZollDVDV darf Videokonferenztechnik genutzt werden, wenn geeignete technische Einrichtungen zur Verfügung stehen. Zwingend ist das nicht, möglich aber schon. Und nach § 17b Absatz 4 darf eine Auswahlkommission den mündlichen Teil an einem Tag mit höchstens acht Bewerbenden durchführen. Die entsprechende Regel für den gehobenen Dienst steht in § 19 Absatz 4 der GntZollDVDV. Wie die Übungen im Einzelnen aussehen, welche Kriterien angelegt werden und wie viele Punkte je Übung vergeben werden, regelt die Verordnung nicht. Das legt nach § 15 das Bundesministerium der Finanzen oder die Generalzolldirektion vor jedem Verfahren fest.
Die Übungen, die die Zollverwaltung nennt
Auf ihren Auswahlverfahrensseiten wird die Zollverwaltung konkreter. Für den mittleren Dienst nennt sie eine Gruppenübung mit Diskussionsbeiträgen, ein Rollenspiel und ein Interview, bei dem auch das eigene Wissen über den Zoll eine Rolle spielt. Für den gehobenen Dienst kommt ein Kurzvortrag zur Darstellung und Erläuterung eines Sachverhalts hinzu. Das ist der einzige genannte Unterschied zwischen den Laufbahnen im mündlichen Teil, und er passt zur Zahl aus der Verordnung. Drei Übungen im mittleren Dienst, vier im gehobenen, dazu jeweils das Interview. Auch hier ist die Formulierung offen gehalten und spricht von einer Kombination dieser Übungen. Eine feste Zusammensetzung ist damit nicht zugesagt.
Wie du überhaupt in den mündlichen Teil kommst
Der schriftliche Teil zählt nur ein Fünftel, entscheidet aber über den Zutritt. Nach § 17a Absatz 2 der MntZollDVDV darf die Zahl der Teilnehmenden am mündlichen Teil beschränkt werden, wenn die Zahl der schriftlich Bestandenen die Zahl der Ausbildungsplätze um mehr als das Doppelte übersteigt. Zugelassen werden müssen dann mindestens doppelt so viele Bewerbende, wie Plätze vorhanden sind, und ausgewählt wird nach der Rangfolge aus dem schriftlichen Teil. Daraus ergibt sich eine unangenehme, aber klare Reihenfolge. Zuerst muss der schriftliche Teil weit genug oben liegen, damit der Teil mit den 80 Prozent überhaupt stattfindet. Danach entscheidet fast alles am mündlichen Tag. Die Zollverwaltung formuliert das qualitativ und schreibt, dass eine Einladung in der Regel folgt, wenn der schriftliche Teil gut bestanden wurde. Eine Punktegrenze wird dabei nicht genannt.
Was sich vorbereiten lässt und was nicht
Simulationsübungen lassen sich nicht auswendig lernen, denn ihre Aufgabenstellung ist unbekannt. Drei Dinge lassen sich trotzdem vorbereiten.
Drei Ansatzpunkte für den mündlichen Teil
-
Wissen über den Zoll
Das Interview bezieht ausdrücklich das eigene Wissen über den Zoll ein. Das ist der einzige Teil, der sich planvoll lernen lässt, etwa Aufgaben und Aufbau der Zollverwaltung.
-
Reden vor Gruppen
Gruppenübung, Rollenspiel und im gehobenen Dienst der Kurzvortrag verlangen, einen Gedanken vor anderen verständlich darzulegen. Das lässt sich üben, aber nur durch Tun.
-
Einen Sachverhalt strukturieren
Beim Kurzvortrag geht es um Darstellung und Erläuterung eines Sachverhalts. Wer gewohnt ist, einen Text in Kernaussage, Begründung und Folgerung zu zerlegen, hat es leichter.
Drei Angaben, die im Netz kursieren
Zum mündlichen Teil stehen viele genaue Zahlen im Netz. Die meisten davon lassen sich amtlich nicht belegen.
Verbreitete Angabe und belegte Lage
| Häufiger Fehler | Besseres Vorgehen |
|---|---|
| Der mündliche Tag dauert sechs bis acht Stunden. | Eine Dauer des mündlichen Teils wird weder in den Verordnungen noch von der Zollverwaltung genannt. Belegt ist nur die Höchstzahl von acht Bewerbenden je Kommission und Tag. |
| Es gibt eine Postkorbübung. | Eine Postkorbübung wird auf den amtlichen Seiten nicht genannt. Genannt sind Gruppenübung, Rollenspiel, im gehobenen Dienst Kurzvortrag und das Interview. |
| Jede Übung zählt gleich viel. | Die Bewertungs- und Gewichtungssystematik wird vor jedem Verfahren festgelegt und nicht veröffentlicht. Eine Aufteilung innerhalb des mündlichen Teils ist damit nicht bekannt. |
Was hier nicht steht und warum
Häufige Fragen
Wie viel zählt der mündliche Teil?
80 Prozent des Gesamtergebnisses, in beiden Laufbahnen. Das steht in § 17d Absatz 2 der MntZollDVDV und in § 21 Absatz 2 der GntZollDVDV.
Kann der mündliche Teil per Video stattfinden?
Möglich ist es. Die Verordnung lässt Videokonferenztechnik zu, wenn geeignete technische Einrichtungen vorhanden sind. Zwingend vorgeschrieben ist sie nicht.
Gibt es im mittleren Dienst einen Kurzvortrag?
Die Zollverwaltung nennt den Kurzvortrag nur für den gehobenen Dienst. Im mittleren Dienst sind Gruppenübung, Rollenspiel und Interview genannt.
Wie lange dauert der mündliche Tag?
Das wird nicht veröffentlicht. Belegt ist nur, dass eine Auswahlkommission an einem Tag höchstens acht Bewerbende prüfen darf.
Fazit
Der mündliche Teil ist der Teil, der entscheidet. Bis zu vier Simulationsübungen und ein strukturiertes Interview, zusammen 80 Prozent des Ergebnisses. Vorbereiten lässt sich davon vor allem das Wissen über den Zoll und die Übung, einen Gedanken vor anderen klar darzulegen.
Woher die Angaben stammen
Der Artikel beschreibt den Rahmen des mündlichen Teils, wie ihn die beiden Verordnungen über den Vorbereitungsdienst und die Zollverwaltung selbst festlegen. Er schildert keinen einzelnen Termin und gibt keine Übungen wieder, die dort gestellt werden.
Fachlich geprüft am 2026-08-14.
Veröffentlicht am 14.08.2026.
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